Phänomenologische Erfassung und quantitative Analyse von Größeneffekten
bei der Miniaturisierung von laserunterstützten Massivumformprozessen
mit FE Methoden

Dipl.-Ing. Sven-Eric Hilpert, Laboratorium Fertigungstechnik (LaFT), Universität der Bundeswehr Hamburg

1. Problemstellung und Ziele des Vorhabens


2. Größeneffekte bei der Skalierung von Fertigungsprozessen


3. Vorgehensweise

Grundlage dieser Arbeiten ist die Durchführung von Experimenten, die einerseits der phänomenologischen und quantitativen Darstellung der beobachteten Größeneffekte und zum anderen der Verifikation der FEM-Analysen dienen (vgl. Abbildung 5).
Hierbei werden besondere Rahmenbedingungen durch die Verwendung transparenter Werkzeuge aus Saphir geschaffen, durch welche Laserenergie in die Umformzone zur Erhöhung der Formgebbarkeit der zu untersuchenden Stahleisen-Werkstoffe geleitet wird (vgl. Abbildung 6). Nur so ist die Herstellung komplexer Werkstückgeometrien in diesen Größenbereichen für die Stahleisen-Werkstoffe zu erreichen, die bis heute im Bereich der Mikrofertigung aufgrund der extrem schwierigen Formbarkeit im Kaltbereich eine untergeordnete Rolle spielen, aber für den Aufbau komplexer dreidimensionaler hybrider Mikrosysteme von entscheidender Bedeutung sind.

Bestandteil des Vorhabens ist der somit Aufbau und die Optimierung der Einrichtungen für die umformtechnischen Versuche. Diese werden auf einer Universalprüfmaschine durchgeführt, die neben der geregelten Kraft-Weg Steuerung auch die Einkopplung der Laserstrahlung in das Saphirwerkzeug erlaubt (vgl. Abbildung 7). Der Werkstoff Saphir zeichnet sich durch eine hohe Härte, gute Strukturierbarkeit durch Excimerlaser (vgl. Abbildung 8) und hohe Durchlässigkeit für Laserstrahlung, in einem für die Erwärmung metallischer Werkstoffe bedeutsamen Bereich, aus. Die Optimierung der Werkzeugfertigung und die Auswahl geeigneter Laser für die Erwärmung sind ebenso Bestandteil dieses Projektes, wie die grundsätzliche Auslegung des Umformprozesse in der Kombination Kraft- und Energieeinkopplung. Hierzu werden geeignete Werkzeuge hergestellt, die den besonderen Anforderungen an die Mikro-Fertigung gerecht werden. Bestandteil des experimentellen Arbeitsprogramms ist die Ermittlung einer optimalen Kraft-Energie-Einkopplung. Zu klären sind dabei auch wechselseitige Abhängigkeiten zwischen der erhöhten Formgebbarkeit durch die Erwärmung und damit verbundener statischer und dynamischer Rekristallisationseffekte, deren Einfluss auf den Umformprozess noch nicht ausreichend bekannt sind (Formfüllung, Festigkeitseigenschaften,...).

Im Rahmen der experimentellen Untersuchungen werden Strategien zur gezielten Werkzeugfertigung auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse über Größeneffekte bei der Skalierung von Fertigungsprozessen entwickelt. Exemplarisch sollen dazu Bauteile aus der Medizintechnik (vgl. Abbildung 3) gewählt werden, weil in diesem Bereich , bedingt durch neue medizinische Anwendungen und die Forderung nach einer weiteren Abnahme der Invasivität, ein starker Trend zur Miniaturisierung vorhanden ist. Es erfolgt zunächst eine Dekomposition der betrachteten Werkstücke in Standardgeometrie-Elemente, an welchen die auftretenden Größeneffekte untersucht werden. Gleichzeitig werden die untersuchten Werkzeugformen dergestalt angepasst, dass eine bestmögliche Fertigung der gewünschten Werkstückformen erreicht wird. Hierzu wird die Werkzeugstruktur solange in einem iterativen Prozess angepasst, bis man eine Übereinstimmung mit der gewünschten Form erhält. Die Standardelemente werden sukzessive zu komplexen 3D Formen zusammengesetzt und es wird die Übertragbarkeit der Erkenntnisse über Größeneffekte der Einzelformen auf die Kompositionen geprüft (vgl. Abbildung 9). Dieser Zyklus soll verdeutlichen, dass sich Erkenntnisse aus der Fertigung eines Werkstückes durchaus auch auf andere Verfahren und Werkstückformen übertragen lassen.

Das zentrale Hilfsmittel für die Modellbildung ist die Analyse mit der Finite Element Methode. Zunächst wird ein Schwerpunkt auf die Bestimmung der Grenzen der heute verfügbaren Simulationsprogramme bei der Abbildung von Größeneffekten gelegt. Diese sollen durch die Abweichungen zwischen simulatorischer und experimenteller Analyse identifiziert werden. Hierauf basierend wird ein Anforderungskatalog erstellt, auf dessen Grundlage eine gezielte Weiterentwicklung von FEM-Modulen stattfinden soll.
Zu den bisher bekannten Limitationen der meisten FEM-Programme gehören beispielsweise:

  • mangelnde Gefügemodelle bzw. komplizierte Parameterbestimmung,
  • fehlende anisotrope Materialmodelle,
  • schlechte Modellierbarkeit von Oberflächenstrukturen,
  • geeignete Tribologiemodelle für den Mikrobereich,
  • Materialmodelle für die Zerspanung im Mikrobereich,
  • Materialgesetze für den Bereich mit geringen Verhältnis Korn-/Strukturgröße.


4. Zusammenfassung und Bewertung